ITF sagt Hafenarbeitern Unterstützung zu

Die Inter­na­tio­na­le Transportarbeiter-Föderation (ITF) in Lon­don hat ges­tern in einer Pres­se­mit­tei­lung den Hafen­ar­bei­tern ihrer deut­schen Mit­glieds­or­ga­ni­sa­ti­on ver.di ihre Soli­da­ri­tät im Tarif­kampf für ein infla­ti­ons­si­che­res Lohn­ab­kom­men bekun­det. Wie berich­tet, lau­fen der­zeit – mehr­fach von Warn­streiks beglei­tet – Tarif­ver­hand­lun­gen zwi­schen ver.di und dem Zen­tral­ver­band der deut­schen See­ha­fen­be­trie­be (ZDS) für rund 12.000 Hafen­ar­bei­ter in 58 Hafenumschlagsbetrieben. 

Der Vize­vor­sit­zen­de der ITF-Sektion der Hafen­ar­bei­ter, Niek Stam, beton­te, die mehr als 500.000 bei ITF orga­ni­sier­ten Kol­le­gen sei­en sich einig in ihrer Unter­stüt­zung für die deut­schen Hafen­be­schäf­tig­ten. Deren For­de­rung sei „weder unver­nünf­tig noch unge­wöhn­lich in unse­rer Bran­che“. Stam, der auch Vor­sit­zen­der der nie­der­län­di­schen Hafen­ar­bei­ter­ge­werk­schaft FNV Havens ist, wies bei­spiel­haft dar­auf hin, dass es in Rot­ter­dam und Ant­wer­pen in wett­be­werbs­fä­hi­gen Hafen­ver­ein­ba­run­gen schon seit Jahr­zehn­ten tarif­li­che Mecha­nis­men zur auto­ma­ti­schen Infla­ti­ons­an­pas­sung gebe.

Zum Ende der vor­letz­ten Juni-Woche hat­te es in der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung der deut­schen Nord­see­hä­fen einen zwei­ten, die­ses Mal 24 Stun­den dau­ern­den Warn­streik gege­ben, an dem sich nach Gewerk­schafts­an­ga­ben mehr als 8000 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen betei­ligt hat­ten. Am Diens­tag zuvor war die vier­te Ver­hand­lungs­run­de über einen neu­en Lohn­ta­rif­ver­trag ergeb­nis­los abge­bro­chen wor­den. Auf das dabei unter­brei­te­te, jüngs­te Ange­bot des ZDS hat­te die Gewerk­schaft rich­tig sau­er reagiert: Das sei „kei­ne sub­stan­zi­el­le Ver­bes­se­rung“, so ver.di-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth in einer Pres­se­mit­tei­lung, son­dern eine „klas­si­sche Mogel­pa­ckung“. Zwar wür­den Beschäf­tig­te in so genann­ten kon­ven­tio­nel­len Betrie­ben, also über­wie­gend des Umschlags von Stück- und Mas­sen­gut, „eine leich­te Auf­wer­tung erfah­ren“, so ver.di. Aber für die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der Voll­con­tai­ner­be­trie­be bedeu­te das jüngs­te Ange­bot eine Ver­schlech­te­rung gegen­über frü­he­ren ZDS-Offerten. Zugleich hat­ten die Arbeit­ge­ber den Druck erhöht, indem sie nun von einem „fina­len Ange­bot“ spra­chen, sich damit fak­tisch jeder wei­te­ren Ver­hand­lung ver­wei­ger­ten – und statt­des­sen „umge­hend … ein geord­ne­tes Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren“ ver­lang­ten. Trotz­dem gab es zu Beginn der letz­ten Juni-Woche noch einen fünf­ten Ver­hand­lungs­ter­min – aber auch der wur­de aber nach meh­re­ren Stun­den ohne Resul­tat vertagt.

Auf Ree­de“ – 45 Schif­fe war­ten auf Abfertigung

Nach Anga­ben des ZDS betrifft der aktu­el­le Tarif­kon­flikt 58 an den gel­ten­den Lohn­ta­rif gebun­de­ne Betrie­be (von 156 ZDS-Mitgliedern), die über­wie­gen­de Mehr­heit der rund 12.000 betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten kon­zen­triert sich auf die gro­ßen Häfen – laut Radio Bre­men sind das, der Sen­der beruft sich auf Anga­ben von ver.di, „6000 im Ham­bur­ger Hafen und 5500 in Bre­mer­ha­ven“, die übri­gen 500 Beschäf­tig­ten ver­teil­ten sich auf Bre­men, Bra­ke, Emden, Wil­helms­ha­ven und Nor­den­ham. Dazu zähl­ten sowohl Hafen­ar­bei­te­rin­nen und -arbei­ter mit abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung als auch vie­le unge­lern­te Arbeits­kräf­te, wie sie bei­spiels­wei­se beim Auto­mo­bil­um­schlag ein­ge­setzt werden.

Beob­ach­ter mei­nen, dem ZDS sei sehr bewusst, was bevor­steht: Ende Juni anker­ten in der Deut­schen Bucht 45 Frach­ter und war­ten auf Abfer­ti­gung, davon knapp die Hälf­te Con­tai­ner­schif­fe – Ten­denz lang­sam stei­gend. Das hat­te (noch) nichts mit dem Tarif­streit zu tun, son­dern war allein dem aktu­el­len Lie­fer­ket­ten­cha­os geschul­det. Die par­ti­el­le Auf­he­bung des Lock­downs im chi­ne­si­schen Schang­hai wird die­ses Pro­blem als­bald dras­tisch ver­schär­fen: See­fracht­spe­di­teu­re wie der DB-Schenker-Manager Jochen The­wes warn­ten bereits zu Monats­an­fang vor der dar­aus resul­tie­ren­den „Ladungs­schwem­me“, eine Nor­ma­li­sie­rung die­ser Ver­keh­re wer­de sechs bis neun Mona­te dauern.

Der ZDS nann­te auch die­sen Streik „unver­hält­nis­mä­ßig“, man­che Zei­tun­gen hau­ten in die­sel­be Ker­be, beschei­nig­ten ver.di eine „star­re Hal­tung“ und warn­ten vor „fata­len Fol­gen“ eines Streiks in den See­hä­fen. Für die Gewerk­schaft könn­te dies indes eine Chan­ce bedeu­ten, den Druck im Tarif­kon­flikt zu erhö­hen: Es sei­en gera­de die Con­tai­ner­be­trie­be in den Häfen, so ver.di, die schon jetzt mit hohen Lager­gelderlö­sen von den aktu­el­len Lie­fer­ket­ten­stö­run­gen pro­fi­tier­ten. So gese­hen, dürf­ten wei­te­re Staus und Ver­zö­ge­run­gen nicht allein die logis­ti­schen Lag­er­pro­ble­me in den Ter­mi­nals zuneh­men las­sen, son­dern den Fir­men auch höhe­re Umsät­ze – und Gewin­ne – bescheren.

Für den mor­gi­gen Diens­tag (5. Juli) haben die Tarif­par­tei­en ver.di und ZDS eine sechs­te Ver­hand­lungs­run­de vereinbart.

Nach­trag: Pres­se­mit­tei­lung von ver.di vom 6. Juli 2022 über die Ver­hand­lung am Vortag.

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WATERKANT-Redaktion