Aus für Bremerhavens „Energy Port“?

Noch vor Monats­en­de soll angeb­lich die Ent­schei­dung fal­len: Ende die­ser Woche titel­te Bre­mens Weser-Kurier groß, was Ken­ner loka­ler Ver­hält­nis­se wenig über­rascht: „Ver­zicht auf Kaje im Watt?“ – Es geht ein­mal mehr um Bre­mer­ha­ven, die Nord­see­stadt des Zwei-Städte-Bundeslands Bre­men, und um die man­chen skur­ril erschei­nen­de Pla­nung eines groß­spu­ri­gen Infra­struk­tur­pro­jekts namens „Ener­gy Port“. 

Das Vor­ha­ben steht mög­li­cher­wei­se vor dem Schei­tern und das ist, wie ange­deu­tet, für vie­le kei­ne Über­ra­schung. Zur Erin­ne­rung: Vor zwei­ein­halb Jah­ren hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) den Bre­mern nach fast 13 Jah­re wäh­ren­dem Gezer­re unter­sagt, im Süden Bre­mer­ha­vens einen Offshore-Terminal vor das Weser­ufer zu ram­men und zu beto­nie­ren. Eine Schwer­last­ka­je mit tie­fem Fahr­was­ser direkt neben einem EU-rechtlich viel­fach geschütz­ten Brack­was­ser­watt woll­te das Gericht nicht zulas­sen. Es war eine Klat­sche mit Ansa­ge, denn nicht nur die eige­ne bre­mi­sche Gerichts­bar­keit, son­dern auch etli­che Exper­ten hat­ten den Han­sea­ten genau die­se Nie­der­la­ge vor­her­ge­sagt. Die aber hat­ten nicht hören wol­len und allein für die juris­tisch noch unsi­che­re Pla­nung bereits mehr als 30 Mil­lio­nen Euro Steu­er­geld ausgegeben.

Das bun­des­ge­richt­li­che Urteil war noch kei­ne sechs Mona­te alt, da prä­sen­tier­te die Lan­des­re­gie­rung aus SPD, Grü­nen und Lin­ken ein neu­es Kon­zept für nahe­zu das­sel­be Are­al – eben das Vor­ha­ben „Ener­gy Port“. Rund um den Bre­mer­ha­ve­ner Fische­rei­ha­fen im Stadt­sü­den soll nun, statt des unter­sag­ten Pro­jekts „Off­shore Ter­mi­nal Bre­mer­ha­ven“ (OTB) als Zen­trum der Wind­kraft­in­dus­trie, eine zukunfts­träch­ti­ge und auf mul­ti­ple „grü­ne“ Ener­gie­tech­ni­ken zie­len­de Inves­ti­ti­on rea­li­siert wer­den – das Ideen­spek­trum reicht von Offshore-Windkraft über Was­ser­stoff­wirt­schaft, Lithi­um­bat­te­rie­pro­duk­ti­on oder Brenn­stoff­zel­len­fer­ti­gung bis zum CO2-Umschlag für umstrit­te­ne unter­see­ische End­la­ge­rung (Car­bon Cap­tu­re and Sto­rage – CCS).

Ja, die Pla­nung sieht im Ver­gleich zum OTB-Projekt trotz der viel­fäl­ti­ge­ren Ansät­ze deut­lich weni­ger Flä­chen­nut­zung vor, letzt­lich soll aber auch der „Ener­gy Port“ zwecks Umschlags unter ande­rem von Windkraft-Anlagen und -Tei­len einen in den Fluss hin­ein gebau­ten Ter­mi­nal – am so genann­ten Ble­xer Bogen und damit neben besag­tem Natur­schutz­ge­biet – erhal­ten. Das lässt zum einen erwar­ten, dass Umwelt­schutz­ver­bän­de wie der sei­ner­zeit beim BVerwG erfolg­rei­che BUND auch gegen die­ses Vor­ha­ben kla­gen werden.

Wer soll das bezah­len (…), wer hat das bestellt?

Das wirft aber zum ande­ren die Fra­ge auf, wer‘s bezah­len soll: Bis­he­ri­gen Schät­zun­gen nach wür­de die Rea­li­sie­rung des „Ener­gy Port“ mehr als eine hal­be Mil­li­ar­de Euro kos­ten, die im Bre­mer Etat aber bis­lang nicht aus­ge­wie­sen sind. Für das OTB-Vorhaben hat­te Bre­men eine Rück­la­ge gebil­det, aber die ist nach dem BVerwG-Urteil ander­wei­tig ver­wen­det wor­den – und auf För­de­rung durch die Bun­des­re­gie­rung mag momen­tan nie­mand wet­ten. Hin­zu käme noch, dass Bre­men im Fal­le eines gericht­li­chen Erfol­ges für den Ein­griff in den Natur­schutz Aus­gleichs­flä­chen aus­wei­sen müss­te – und das gin­ge nur in Koope­ra­ti­on mit dem rund um Bre­mer­ha­ven lie­gen­den Bun­des­land Nie­der­sach­sen, das selbst an meh­re­ren Stand­or­ten und erfolg­rei­cher als die Bre­mer um „grü­ne“ Ener­gie­wirt­schaft buhlt.

Was also tun? Dem Zei­tungs­be­richt zufol­ge den­ken jetzt eini­ge dar­über nach, auf den Bau eines Ter­mi­nals im Watt zu ver­zich­ten, um das übri­ge Pro­jekt sicher durch­zie­hen zu kön­nen. Damit rückt eine im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res in einem Gut­ach­ten als „Zwi­schen­lö­sung“ vor­ge­schla­ge­ne Opti­on nach vorn, näm­lich die Nut­zung des Süd­zip­fels des Bre­mer­ha­ve­ner Con­tai­ner­ter­mi­nals. Aber wie schon damals ange­merkt, ist die­se „CT 1“ genann­te Kaje nur für den direk­ten Umschlag von Schwer­las­ten nutz­bar, Produktions- oder Lager­flä­chen ste­hen nicht nen­nens­wert zur Ver­fü­gung. Alle zu ver­schif­fen­den Tei­le müss­ten also vom „Ener­gy Port“ nach Nor­den trans­por­tiert wer­den – quer durch die Stadt oder durch die Fischereihafenschleuse.

Laut „Weser-Kurier“ ist eine Senats­vor­la­ge in Arbeit, über die in Kür­ze „in gro­ßer Run­de“ von Koali­ti­on und Hafen­ma­nage­ment ent­schie­den wer­den soll. Auf‘s Ergeb­nis darf man gespannt sein.

 

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WATERKANT-Redaktion