Das philippinische Department of Migrant Workers (DMW) hat die im Lande lizensierten maritimen Besatzungsagenturen angewiesen, keine philippinischen Seeleute mehr auf Schiffen einzusetzen, die als hochriskant eingestufte Routen befahren; namentlich zählen dazu der Golf von Aden und das Rote Meer. Das berichten aktuell mehrere Schifffahrtsportale wie Hamburgs Hansa oder Singapurs Splash247.
Ein entsprechender Appell der Regierung in Manila erging zugleich auch an die internationale maritime Wirtschaft – unter deutlichem Hinweis auf die insbesondere im fraglichen Gebiet herrschenden unsicheren Verhältnisse: Anlass ist zum einen der jüngste Angriff der jemenitischen Ansarollah („Huthis“) auf den unter liberianischer Flagge fahrenden Massengutfrachter Eternity C (IMO 9588249), der kurz darauf gesunken war; von 22 Besatzungsmitgliedern (darunter 21 Philippinos) konnten nur acht gerettet werden. Unmittelbar zuvor hatten die Ansarollah auch den Bulker Magic Seas (IMO 9736169) – ebenfalls in Liberia registriert – attackiert und versenkt. Zum anderen erklärt sich das philippinische Vorgehen durch die kürzliche Mitteilung der Ansarollah, die darin unter dem Schlagwort „4. Phase“ eine Eskalation ihrer „maritimen Kampagne“ ankündigten: Gemeint sind damit Angriffe auf alle Schiffe (unabhängig von Flagge, Besitz oder Zielhafen), die ihrer Auffassung nach mit israelischen Häfen Geschäfte machen – allerdings ist dies eine Kategorisierung, die bereits wiederholt missachtet worden sei, halten Schifffahrtsexperten dem entgegen.
Das Vorgehen des DMW könnte eine schwere Krise der globalen Handelsschifffahrt nach sich ziehen. Denn nach Angaben Manilas stellen zigtausend heimische Seeleute knapp 35 Prozent aller globalen Handelsschiffsbesatzungen. Zwar meiden große Reedereien wie etwa die großen Containerkonzerne MSC (Schweiz), Dänemarks Mærsk oder Hapag-Lloyd schon seit Monaten die Fahrt um Jemen und durch den Suezkanal, nehmen dafür den Umweg um Südafrika in Kauf. Aber insbesondere in der Massengut- und Tankschifffahrt nutzen immer noch Etliche die kurze Route durch das riskante Gebiet – unter anderem griechische Reeder, denen etwa auch die beiden jüngst versenkten Schiffe gehörten. Laut Hansa schätzen Branchenexperten, dass rund die Hälfte der Schiffe im Roten Meer von der DMW-Direktive betroffen sein könnten.
Deutsche Reedereien beteiligt
Klar, ein regierungsamtlicher Appell kann, muss aber nicht international auch befolgt werden. Anders ist die Wirkung der Direktive auf den Philippinen selbst einzustufen: Die eingangs erwähnten, dort lizensierten Crewing-Agenturen gehören sehr oft ausländischen Reedern und qualifizieren heimische Seeleute für eigene Schiffe. So listet etwa auch die Webseite der deutsch-philippinischen Industrie- und Handelskammer mehrere solcher Agenturen auf, unter anderem die Doehle Seafront Crewing Inc., die als Tochterunternehmen der Hamburger Reederei Peter Döhle (PD) die „Bereitstellung hervorragender und hochwertiger Crewing-Dienstleistungen für internationale Schiffsbesitzer und -betreiber weltweit seit 2009“ anbietet. Der Verband Deutscher Reeder, dessen aktuelle Präsidentin Gaby Bornheim zugleich PD-Chefin ist, bezifferte im Frühjahr 2023 die Anzahl der allein in europäischen Flotten eingesetzten Seeleute aus dem pazifischen Inselstaat auf rund 50.000.
Mit der staatlichen Lizenzierung unterliegen die meisten dieser Agenturen dem Reglement des DMW. Der für die Behörde zuständige Minister Leo Cacdac unterstrich unmissverständlich, es reiche nicht aus, nur zu sagen „wir treffen die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen“: Entscheidend sei es, sie tatsächlich zu treffen. Hansa berichtet, jene Reedereien, die ihre Seeleute in diesen Agenturen rekrutieren, müssten ihnen künftig ein uneingeschränktes Rückzugsrecht gewähren, sichere Heimreise garantieren und sie mit zwei Monatsgehältern entschädigen; Verstöße könnten mit Lizenzentzug oder Bußgeldern geahndet werden. Nach Angaben der philippinischen Zentralbank überweisen die in Übersee beschäftigten heimischen Seeleute regelmäßig mehrere Milliarden US-Dollar zur Unterstützung ihrer Familien nach Hause.





















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