Ende 2024 hatten 78 Prozent der von Pricewaterhouse Coopers befragten deutschen Schifffahrtsunternehmen die Sorge geäußert, bei erneuter Präsidentschaft Donald Trumps drohe vor allem ein Handelskrieg der USA mit China. Sie ahnten nichts von Trumps Plan, sich mit dem Welthandel insgesamt anzulegen. Sein jüngster Coup – die EU in Person ihrer Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über den Tisch zu ziehen – dürfte auch die maritime Branche treffen.
Für den Schiffbau etwa, dem der präsidiale Golfspieler ja von Anfang an sein „Great-Again“-Etikett aufgeklebt hatte, ist derzeit noch völlig unklar, ob und welche Zusagen Leyen dem US-Präsidenten unterschrieben hat: Medienberichten zufolge will sie nicht nur bis 2028 für rund 750 Milliarden Dollar US-Energie kaufen (siehe unten), sondern weitere 600 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft investieren – als ob die USA ein Entwicklungsland wären. Wohin dieses Geld fließen soll, ist bislang nicht bekannt; Trumps Deals mit Japan und Südkorea lassen Experten jedoch einiges befürchten.
Tokio musste 550 Milliarden Dollar Investitionen zusagen, ein unbestimmter Teil davon für den US-Schiffbau; von Südkoreas 350-Milliarden-Verpflichtung gehen 150 in die US-Werften. Und hier? Bislang haben sich weder deutsche noch europäische Schiffbauer zu dem Trump-Leyen-Deal geäußert – aber die Intention des US-Präsidenten ist klar: Seinen Handelsschiffbau kann er nur wiederaufbauen mit dem Knowhow jener Länder, die in der Vergangenheit in dieser Branche tonangebend waren – denn auf Weltmarktführer China wird er kaum setzen wollen.
In Deutschland rechnen aktuell etliche Ökonomen mit deutlichem Rückgang wichtiger Exporte, insbesondere in die USA, und daraus resultierenden Einbußen. Sowohl die größte Reederei, Hapag-Lloyd, als auch internationale Wettbewerber registrieren schon länger sinkende Transportvolumina vor allem zwischen den USA und China – bis zu 40 Prozent – bei gleichzeitigen Zuwächsen etwa zwischen Europa und globalen Zielen abseits der USA. Bei Hapag-Lloyd heißt es, die Kunden seien stark verunsichert, aber kurz- und mittelfristige Auswirkungen des US-Handelskonflikts seien nicht zuverlässig vorhersagbar.
„Der Rabauke auf dem Schulhof“
Den nationalen Reederverband VDR beschäftigen momentan die neuen Drohungen der jemenitischen Ansarollah noch mehr als die mutmaßlichen Folgen Trump‘scher Eskapaden. Der Bremer Hafenlogistiker BLG – Deutschlands größter Automobillogistiker wickelt knapp ein Drittel seines Umschlag mit den USA ab – nennt den Deal der EU mit Trump „einseitig“; der „Rabauke auf dem Schulhof“ habe sich durchgesetzt, kritisierte BLG-Chef Matthias Magnor im „Weser-Kurier“ das Ergebnis.
Den Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) beschäftigt vor allem Leyens erwähnte Zusage, bis 2028 US-Energieimporte – und das meint vor allem LNG – für rund 750 Milliarden Dollar zu kaufen. Im Vergleich zu 2024 – knapp 80 Milliarden – bedeute das jährlich knapp 170 Milliarden Dollar mehr. Die LNG-Importkapazitäten deutscher Seehäfen, so ZDS-Geschäftsführer Florian Keisinger, seien langfristig ausgelastet, eine Steigerung ohne erhebliche Investitionen in Hafeninfrastruktur nicht zu realisieren.
Zum einen berücksichtigt das noch nicht den zu erwartenden zivilgesellschaftlichen Widerstand, den es gegen die bisherigen wie geplanten LNG-Terminals an der deutschen Nordseeküste gibt, zumal es sich bei Trumps LNG im Wesentlichen um Flüssiggas aus Frackingförderung handelt. Zum anderen erforderte eine Finanzierung weiterer LNG-Import-Infrastruktur einen haushaltspolitischen Brachialakt – denn die Seehäfen ringen bekanntlich seit Langem um die schon für bisheriges Umschlagsgeschehen benötigten Gelder für Erhalt und Ausbau ihrer seit Jahrzehnten unterfinanzierten Kajen und Anlagen. Jüngst erst forderte ZDS-Präsidentin Angela Titzrath drei Prozent oder 15 Milliarden Euro aus dem „Sondervermögen“ des Bundes für eben diesen Zweck.





















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