Hamburg: Dämpfer durch US-Politik

Höhe­re Umsät­ze bedeu­ten nicht immer auch höhe­re Gewin­ne – die­se All­tags­er­fah­rung muss­te gera­de Ham­burgs mari­ti­me Wirt­schaft ver­bu­chen: Wäh­rend die Ree­de­rei Hapag-Lloyd im ers­ten Halb­jahr 2025 einen deut­li­chen Umsatz­schub, in der Lini­en­schiff­fahrt aber zugleich merk­li­chen Gewinn­ein­bruch ver­bu­chen muss­te, bilan­zier­te das Umschlags- und Logis­tik­un­ter­neh­men HHLA ein Plus bei Umsät­zen und Gewinnen. 

Das Ham­bur­ger Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men Hapag-Lloyd, nach wie vor fünft­größ­te Con­tai­ner­ree­de­rei der Welt, konn­te von Janu­ar bis Juni zwar die Trans­port­men­ge deut­lich stei­gern, kon­sta­tier­te aber zugleich schwie­ri­ge Markt­be­din­gun­gen. Die Lini­en­schiff­fahrt beför­der­te im Berichts­zeit­raum 6,75 Mil­lio­nen TEU, was einem Plus von knapp elf Pro­zent im Ver­gleich zum ers­ten Halb­jahr 2024 ent­spricht. Das erhöh­te Trans­port­auf­kom­men sei, so heißt es, im Wesent­li­chen dem Han­del mit Chi­na und wei­te­ren Zie­len im Ostasien-Europa-Verkehr zuzu­schrei­ben; ande­rer­seits habe die sich stän­dig ändern­de Han­dels­po­li­tik der USA unter Prä­si­dent Trump für Dämp­fung gesorgt.

Wäh­rend der maß­geb­lich vom Seg­ment Lini­en­schiff­fahrt gepräg­te Kon­zern­um­satz dank die­ses Wachs­tums von 8,8 auf knapp 9,7 Mil­li­ar­den Euro zuleg­te, schrumpf­te das EBIT um knapp 200 auf 619 Mil­lio­nen Euro. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig: Zwar bewe­gen sich die Fracht­ra­ten in etwa auf Vor­jah­res­ni­veau, deut­li­che Sprün­ge ver­ur­sach­ten zwi­schen­zeit­lich aber punk­tu­el­le Ein­brü­che. Zudem drück­ten die wegen der Lage im Roten Meer anfal­len­den Umwe­ge um das süd­afri­ka­ni­sche Kap samt resul­tie­ren­der Staus das Ergeb­nis, auch so genann­te „Anlauf­kos­ten“ für das im Febru­ar gestar­te­te Gemini-Netzwerk mit der däni­schen Groß­ree­de­rei Mærsk dämpf­ten es. Mit dem Gemini-Projekt zeig­te sich die Kon­zern­füh­rung übri­gens sehr zufrie­den, man habe für bei­de betei­lig­ten Ree­de­rei­en die Pünkt­lich­keit der Fahr­plä­ne merk­lich stei­gern kön­nen. Die vor gut einem Jahr neu orga­ni­sier­ten welt­wei­ten Terminal-Aktivitäten brach­ten der Bilanz ein klei­nes Plus, den­noch senk­te der Vor­stand wegen „viel­fäl­ti­ger geo­po­li­ti­scher Her­aus­for­de­run­gen“ die eige­ne Jah­res­ge­winn­pro­gno­se geringfügig.

Zoff wegen MSC? – HHLA sucht neue Führung

Die­se Unsi­cher­heit präg­te auch die Halb­jah­res­bi­lanz der HHLA: Das seit Kur­zem zu mehr als 90 Pro­zent im Besitz einer gemein­sa­men Betei­li­gungs­ge­sell­schaft der Stadt Ham­burg und des Schwei­zer Ree­derei­gi­gan­ten MSC befind­li­che Unter­neh­men sieht sich durch schwa­che Kon­junk­tur, geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te und wach­sen­de Unsi­cher­heit durch die US-Handelspolitik her­aus­ge­for­dert, so die zum Jah­res­en­de schei­den­de Vor­stands­che­fin Ange­la Titz­rath (Gerüch­ten zufol­ge soll es wegen des MSC-Deals Unstim­mig­kei­ten zwi­schen ihr und der Stadt Ham­burg gege­ben haben). Den­noch konn­te sie ein durch­aus zufrie­den­stel­len­des Ergeb­nis prä­sen­tie­ren: Der bör­sen­no­tier­te Teil­kon­zern Hafen­lo­gis­tik (die HHLA-Immobilien unter ande­rem in der his­to­ri­schen Spei­cher­stadt wer­den geson­dert bilan­ziert) ver­zeich­ne­te in der ers­ten Jah­res­hälf­te einen Umsatz von knapp 866 Mil­lio­nen Euro, 16,6 Pro­zent mehr als im Ver­gleichs­halb­jahr 2024. Das dar­aus resul­tie­ren­de EBIT leg­te gar um gut 40 Pro­zent auf 72,4 Mil­lio­nen Euro zu.

Ver­ant­wort­lich für die­ses Ergeb­nis ist vor allem der Con­tai­ner­um­schlag: An den drei Ham­bur­ger Ter­mi­nals wur­den etwas mehr als drei Mil­lio­nen TEU umge­schla­gen – das ist aufs Jahr gerech­net zwar weit ent­fernt von jenem 25-Millionen-TEU-Ziel, von dem Ham­burg und die HHLA einst gemein­sam in Gut­ach­ten und Ent­wick­lungs­plä­nen träum­ten, liegt aber immer­hin knapp sie­ben Pro­zent über dem Ver­gleichs­wert des Vor­jah­res (2,8 Mil­lio­nen TEU). Das Plus ist den HHLA-Angaben zufol­ge vor allem dem „Fahrt­ge­biet Fern­ost – ins­be­son­de­re Chi­na“ sowie einem star­ken Wachs­tum in den so genann­ten Fee­der­ver­keh­ren (Ver­tei­lung von Über­see­fracht in Nord- und Ost­see­hä­fen) zuzu­schrei­ben, wäh­rend unter ande­rem die Nordamerika-Verkehre stark rück­läu­fig waren. Hin­zu kam wegen Rou­ten­ver­än­de­run­gen infol­ge der Situa­ti­on im Roten Meer zusätz­li­che Ladung aus Über­see­hä­fen in Bel­gi­en, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und den Nie­der­lan­den. Der auf nied­ri­gem Niveau düm­peln­de Umschlag in aus­län­di­schen HHLA-Terminals leg­te eben­falls zu, vor allem durch die Wie­der­in­be­trieb­nah­me des Hafens in Odessa.

 

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WATERKANT-Redaktion