Havarie(n) mit Langzeitfolgen

In der Unter­we­ser­stadt Bra­ke ist am Mon­tag der Kapi­tän eines Bin­nen­schiffs vom Amts­ge­richt zu einer Geld­stra­fe von 5000 Euro ver­ur­teilt wor­den, weil er im Febru­ar 2024 im Süden der Nach­bar­stadt Els­fleth eine Eisen­bahn­brü­cke über den klei­nen Fluss Hun­te gerammt hat­te. Klingt zwar ver­gleichs­wei­se läp­pisch – war (und ist) aber ver­ant­wort­lich für Langzeit-Schäden von zig Mil­lio­nen Euro in der gesam­ten Region. 

Außer mas­si­ven Beein­träch­ti­gun­gen für Berufs­pend­ler und Frem­den­ver­kehr leg­te der Unfall näm­lich auch den Schie­nen­ver­kehr von und zu den See­hä­fen Bra­ke und Nor­den­ham wochen­lang eben­so lahm wie den Schiffs­ver­kehr von und nach Olden­burg; Umlei­tun­gen erwie­sen sich für alle Betei­lig­ten als teu­er und – wegen eines par­al­le­len Auto­bahn­scha­dens auf der ande­ren Weser­sei­te – äußerst kompliziert.

Die Deut­sche Bahn instal­lier­te bin­nen Wochen eine Behelfs­brü­cke, die Ende April in Betrieb genom­men wer­den konn­te – aber wie­der­um nur für kur­ze Zeit. Denn schon Ende Juli ramm­te ein Tank­schiff die­se pro­vi­so­ri­sche Brü­cke und sorg­te so für erneu­tes Ver­kehrs­chaos. Aller­dings konn­te die­ses Mal schnel­ler repa­riert wer­den, seit Ende August 2024 fah­ren wie­der Züge. Der Tank­schiffs­ka­pi­tän ent­ging einem Straf­ver­fah­ren, er kam mit einer Zah­lung von 1500 Euro an eine gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung davon. Die Deut­sche Bahn hat inzwi­schen einen grö­ße­ren und soli­de­ren Brü­cken­neu­bau in Angriff genom­men, der aber erst Anfang 2028 fer­tig­ge­stellt sein wird.

Bra­ke und Nor­den­ham sind somit bis auf Wei­te­res wie­der ans Schie­nen­netz ange­bun­den, aber der Hafen Olden­burg bleibt vor­erst vom See­ver­kehr abge­schnit­ten, selbst Bin­nen­schif­fe kön­nen die Behelfs­brü­cke nur tide­ab­hän­gig durch­fah­ren. Fol­ge­rich­tig kon­sta­tiert die Ende vori­ger Woche vor­ge­leg­te Halb­jah­res­bi­lanz der nie­der­säch­si­schen See­hä­fen für Olden­burg lapi­dar „kein see­wär­ti­ges Umschlags­vo­lu­men im ers­ten Halb­jahr 2025“ – und das wird erst ein­mal so blei­ben. Um so mehr erfreut es die Hafen­ver­wal­tung „Sea­ports Nie­der­sach­sen“, dass die meis­ten der ande­ren Häfen teil­wei­se beträcht­lich zuge­legt haben: 27,7 Mil­lio­nen Ton­nen sei­en lan­des­weit von Janu­ar bis Juni umge­schla­gen wor­den, rund eine Mil­li­on Ton­nen mehr als im ers­ten Halb­jahr 2024.

Nie­der­sach­sens Lan­des­hä­fen meist im Plus

Füh­rend ist Wil­helms­ha­ven mit 16,7 Mil­lio­nen Ton­nen – Ein­brü­che beim Rohöl-, Zuwäch­se beim Kohle- und Fahr­zeug­um­schlag. Aber vor allem der Con­tai­ner­ter­mi­nal Jade­We­ser­Port (JWP) sticht her­vor: Der Ein­stieg von Hapag-Lloyd und deren Gemini-Kooperation mit der Ree­de­rei Mærsk habe dazu bei­getra­gen, dass im ers­ten Halb­jahr mit 664.685 TEU fast dop­pelt so vie­le Con­tai­ner umge­schla­gen wur­den wie von Janu­ar bis Juni 2024. Auch auf die noch schwa­che Ningbo-Verbindung setzt man an der Jade Hoffnung.

Mit knapp 2,8 Mil­lio­nen Ton­nen folgt mit Abstand an zwei­ter Stel­le Bra­ke: 13 Pro­zent Stei­ge­rung vor allem im agra­ri­schen Mas­sen­gut, bei Forst- sowie (durch Koope­ra­ti­on mit Salz­git­ter) Stahl­pro­duk­ten. Der Elbe­ha­fen in Sta­de liegt auf Platz 3, aller­dings mit einem Minus von sechs Pro­zent (rund 2,6 Mil­lio­nen Ton­nen): Flüs­si­ges Mas­sen­gut leg­te zu, fes­tes Mas­sen­gut wie Bau­stof­fe war rück­läu­fig. Emden auf Rang 4 bilan­ziert knapp 2,4 Mil­lio­nen Ton­nen – zwölf Pro­zent mehr durch Forst- und Che­mie­pro­duk­te, Bau­stof­fe und Wind­kraft­tei­le bei etwa gleich­blei­ben­dem Fahrzeugumschlag.

Auf Platz 5 über­rascht der zwei­te nie­der­säch­si­sche Elbe­ha­fen Cux­ha­ven mit einem Zuwachs um 61 Pro­zent auf 1,8 Mil­lio­nen Ton­nen, maß­geb­lich getra­gen durch Wind­kraft­tei­le, Fahr­zeu­ge und Bau­stof­fe. Bleibt auf Rang 6 noch zu erwäh­nen der Weser­ha­fen Nor­den­ham: Vor allem durch Rück­gang beim Kohle­um­schlag hat Pri­vat­be­trei­ber Rhen­us Mid­gard ein Minus von acht Pro­zent (rund 1 Mil­li­on Ton­nen) zu ver­zeich­nen – unklar nur, ob der umstrit­te­ne Umschlag von Castor-Behältern da mit erfasst wird.

 

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WATERKANT-Redaktion