Gerüchte, dass Rheinmetall-Chef Armin Papperger eine maritime Erweiterung seiner Produktpalette plane, kursieren bereits seit einigen Wochen. Am vergangenen Mittwoch nun berichtete das maritime Infoportal Hansa über konkrete Absichten: Im niedersächsischen Unterlüß habe Papperger ein akutes Interesse an dem Bremer Militärschiffbauer Naval Vessels Lürssen (NVL) angedeutet.
Nun ist es also raus: Deutschlands größte Waffenschmiede, der mit zwei Weltkriegs-Erfahrungen ausgestattete Rheinmetall-Konzern, will jetzt auch die Weltmeere bekriegen. Am Rande einer neuen Werkseröffnung in der Lüneburger Heide soll Papperger sein Interesse an NVL zwar nicht direkt bestätigt, aber eben angedeutet haben: Während mehrere andere Medien – BILD oder Radio Bremen – noch meldeten, alle Beteiligten hätten eine Kommentierung derartiger Pläne abgelehnt, will Hansa „aus Unternehmenskreisen“ an der Weser eine Bestätigung erfahren haben: Die NVL-Eigentümerfamilie Lürssen beabsichtige, sich von ihren im Marineschiffbau tätigen Werften zu trennen und sich künftig auf den Bau von Yachten zu konzentrieren.
Für Rheinmetall wäre ein solcher Schritt eine maßgebliche Stärkung seiner ohnehin führenden Rolle als größter deutscher Rüstungsfabrikant. Angeblich soll sich der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Konzerns schon in Kürze mit dem NVL-Kauf befassen. Laut Hansa habe ein Sprecher der IG Metall Küste verlauten lassen, die Gewerkschaft stehe „einer Konsolidierung der Marinewerften … grundsätzlich offen gegenüber“, allerdings müsse die Bundesregierung hierbei eine aktive Rolle spielen. Bislang sei man aber in die Pläne „nicht eingebunden“.
Lürssen-Konzern im Umbruch
Vor knapp vier Jahren hatte das in Bremen-Vegesack ansässige Traditionsunternehmen Lürssen – gegründet 1875 – seine Luxusyachtbau- und Marine-Aktivitäten rechtlich getrennt. Letztere werden seither unter dem Namen NVL mit Standorten nicht nur in Norddeutschland – etwa in Hamburg auf der ehemaligen Blohm&Voss-Werft oder in Wolgast –, sondern auch in Bulgarien, Kroatien, Brunei oder Australien fortgeführt und erreichten jüngst einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro.
Derzeit ist zwar noch völlig offen, ob eine Fusion wie diese sowohl den jeweiligen Eignern als auch den Aufsichtsbehörden gebilligt wird. Dennoch sprechen für eine etwaige Übernahme von NVL durch Rheinmetall Branchengerüchten zufolge mehrere Gründe. Zum einen kursieren an der Weser seit langem Spekulationen, dass die Lürssen-Familie Probleme habe, aus den eigenen Reihen eine Nachfolge für die Unternehmensleitung zu finden. Mit der NVL-Gründung hatte sich etwa Senior Friedrich Lürssen, bislang maßgeblich für den militärischen Bereich verantwortlich, aus der aktiven Leitung zurückgezogen; sein Vetter Peter Lürssen leitet den Yachtbereich.
Zum anderen hat es in der jüngeren Vergangenheit wiederholt Äußerungen aus der Bundespolitik gegeben, die eine stärkere Kooperation maritimer Rüstungsbauer anmahnten: Bislang konkurriert NVL mit Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards um Aufträge im Marineschiffbau; und dies nicht immer reibungslos. Eine so genannte Konsolidierung deutscher Marinewerften halten viele Branchenexperten für nötig, denn schließlich seien ja europäische Konkurrenten in Italien, Frankreich oder Spanien entweder bereits verstaatlicht oder erheblich subventioniert.
2021, vor der NVL-Gründung, hatte es Pläne gegeben, TKMS und Lürssens Marinesektor unter Beteiligung des Bundes zu fusionieren – das soll damals unter anderem am Desinteresse der Bundesregierung gescheitert sein. Trotzdem vereinbarten beide Firmen 2024 eine Kooperation bei Entwicklung und Bau der neuen Luftverteidigungsfregatte F 127: Die Aufrüstung zur See muss ja irgendwie vorangetrieben werden; dies vor allem mit Blick auf die andauernde Verzögerung beim Projekt F 126, dessen Hauptauftragnehmer, die niederländische Damen Schelde Naval, aus ihren Problemen – wie jüngst berichtet – selbst mit staatlicher Hilfe nicht herauskommt. Erst vor wenigen Tagen hatte Hansa zudem über ein Joint Venture von NVL mit der britischen Kraken Technology berichtet, um in Hamburg „autonome Überwasserdrohnen“ als „flexible Plattformen für Aufklärung, Überwachung und den Schutz kritischer Infrastruktur“ zu bauen.





















Flieg' zum Start!