Die gegenwärtige Krabbenfischerei hat nach Ansicht des Fischereiexperten Gerd Kraus „nur sehr geringe und kurzfristig umkehrbare Auswirkungen auf den Meeresboden“, zumindest „soweit messbar“. Es gäbe somit „keinen Grund, sie aus dem Wattenmeer auszuschließen“, zitierte jüngst die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) den Leiter des Bremerhavener Thünen-Instituts für Seefischerei.
Die SDN hatte zu Monatsbeginn nach Büsum zu ihrer Jahresversammlung eingeladen und dazu unter anderem Kraus als Referenten hinzu gebeten. Laut anschließend veröffentlichter Pressemitteilung hat der Thünen-Experte aktuelle Forschungsergebnisse sowohl zu den Umwelteinflüssen als auch den Zukunftsaussichten der Krabbenfischerei in der deutschen Nordsee vorgestellt.
In diesem Zusammenhang mahnte Kraus der SDN-Mitteilung zufolge allerdings, die Lage würde gerade für kleine Familienbetriebe künftig immer unsicherer: Sie seien langfristig gefährdet, wenn ihre Flotte sich weiter radikal verkleinere sowie Hafen- und Vermarktungs-Infrastrukturen sich monopolisierten oder gar wegbrächen. Kraus habe deutlich gemacht, dass sich die Krabbenfischer einem Strukturwandel stellen müssten, und dabei beispielhaft „neue Ko-Nutzungskonzepte, prototypische Küstenfischereischiffe inclusive Neubauförderung, aber ebenso eine Kapazitätsanpassung“ angemahnt. Zugleich aber habe er zur Zukunft der Krabbenfischerei einen allgemeinen Appell ausgesprochen: „Wir müssen uns da als Gesellschaft entscheiden, was wir haben wollen.“
Kritik an „Kaperfahrten“
Das dürfte (diese Kommentierung „außerhalb“ der SDN-Verantwortung sei gestattet) vor allem dem immer wieder, vorwiegend von ostfriesischen Familienbetrieben, beklagten Zustand gelten, dass niederländische Schiffe, oft dort ansässiger Großbetriebe, nahezu regelmäßig in deutschen Gewässern fischten – deutsche Behörden dagegen aber zu wenig bis gar nicht einschritten. Lokale Fischereivertreter berichten etwa über legale und illegale Kaperfahrten aus dem Nachbarland, über Schiffe, die sich per Abschaltung ihres AIS „unsichtbar“ machten, oder so dicht an der Grenze entlang führen, dass ihre Netze weit ins Nachbargebiet hineinreichten.
Laut SDN-Mitteilung ist das in Büsum auch vom SDN-Vorsitzenden Gerd-Christian Wagner, hauptberuflich Bürgermeister der Stadt Varel, unterstrichen worden: Die Krabbenfischer-Familien hätten elementares Interesse am Schutz der marinen Lebensräume, „denn sie wissen, dass davon ihre Existenz“ abhinge. Verschwänden sie, würden „vermutlich regional nicht verwurzelte Großbetriebe nachrücken und einen deutlich größeren Umwelteinfluss ausüben“.
In Büsum teilnehmende Krabbenfischer, so die SDN weiter, hätten auch unterstrichen, dass ihre Tätigkeit nicht nur Teil ihrer Identität sei, sondern auch Tradition für die Nordseeküste bedeute und als „Tourismusmagnet für Küstengemeinden und lokale Gastronomie von außerordentlich hohem Wert“ sei. Was dann wohl an den zitierten Appell von Gerd Kraus anknüpft.
siehe auch: SDN-Pressemitteilung vom 3. September 2025





















Flieg' zum Start!