In Nordfrankreich haben Quallen die Kühlpumpen des AKW Gravelines verstopft und so für die automatische Abschaltung gleich mehrerer Reaktoren gesorgt. Das meldete die gestern erschienene Ausgabe 314 der Zeitschrift anti atom aktuell (aaa). Der Vorfall hat sich demnach zwar bereits Anfang August ereignet – aber vor dem Hintergrund teilweise drastisch zunehmender Quallenbestände in Folge der Überdüngung von Küstenmeeren klingt das doch spannend. Oder?
Dem Artikel in der aaa, der „Zeitung für die weltweite Stilllegung aller Atomanlagen“, zufolge hatten sich in der Nacht zum 11. August zunächst die Produktionsblöcke Nummer 2, 3 und 4 und kurz darauf auch Block 6 des AKW Gravelines wegen eines „massiven und unvorhersehbaren Auftretens von Quallen in den Filtertrommeln der Pumpstationen“ automatisch abgeschaltet. Da zwei weitere Reaktoren – 1 und 6 – derzeit ohnehin für Wartungsarbeiten abgeschaltet sind, habe der Betreiber EDF das gesamte AKW vorübergehend komplett heruntergefahren.
Graveline liegt zwischen Dunkerque und Calais am nordöstlichen Ende des Ärmelkanals; es ist mit seinen sechs Druckwasserreaktoren – je 900 Megawatt – ist laut aaa derzeit das größte AKW Westeuropas. Geplant ist, es bis 2040 noch um zwei weitere Reaktoren von je 1600 Megawatt zu erweitern. Sarkastisch könnte man in übertragenem Sinne von einem „gefundenen Fressen“ für Quallen reden: Denn bereits Anfang September wurde vom AKW Paluel nordöstlich von Le Havre – vier Druckwasserreaktoren à 1300 Megawatt – ein ähnlicher Vorfall berichtet: Auch hier waren Quallen in den Filtertrommeln der Kühlwasser-Pumpstation entdeckt worden, worauf die Stromproduktion vorübergehend stark reduziert werden musste.
Wer Quallen saugt, muss Quallen schlucken – :-))
Frankreich setzt ja bekanntlich massiv auf Atomstrom: Wie aaa weiter berichtet, gibt es insgesamt 57 Reaktoren an 18 Standorten. Ein Teil liege an großen Flüssen wie der Loire, der Rhône oder der Maas, fünf Standorte hingegen am Meer – originellerweise ist kein einziger am Mittelmeer dabei, sämtliche „maritimen“ AKW liegen entweder am Ärmelkanal (vier) oder am Golf von Biskaya (Blayais am Ästuar Gironde). Ein Sprecher des AKW Gravelines, so aaa, habe erklärt, dass 27 Reaktoren in einem sogenannten „offenen” Kreislauf betrieben würden: „In dieser Konfiguration wird das Wasser direkt aus einem Fluss oder dem Meer entnommen, gefiltert und zum Kühlen in den Kondensator geleitet, bevor es wieder in dieselbe Wasserquelle zurückgeleitet wird“. Das AKW Gravelines pumpe sein Kühlwasser aus dem und in den Hafen von Dünkirchen, wo sich zahlreiche Quallen im Wasser aufhielten.
Der vollständige Artikel ist in der Ausgabe aaa 314 (Seite 40) nachzulesen. Das Heft kostet einzeln 5,00 Euro – man kann (und sollte) die Zeitschrift aber getrost abonnieren: Vier Ausgaben pro Jahr für mindestens 20,00 Euro (Soli-Aufschläge sind willkommen), Näheres hier.





















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