Mertens, Peter: Meuterei – Wie unsere Weltordnung
ins Wanken gerät; Berlin 2024, Brumaire Verlag;
Paperback, 283 Seiten; ISBN 978-3-9486-0855-2; Preis 19,00 Euro.
Die Titelangabe oben ist – sorry! – korrekt: Dieses Büchlein ist bereits Ende vergangenen Jahres erschienen. Und damit nicht genug: Auch die deutsche Übersetzung war nicht aktuell, das in Belgien veröffentliche Original stammt sogar aus 2023. Dennoch ergeht hier gleich zu Beginn dieser Besprechung der dringende Aufruf: Kaufen und Lesen! Auch wenn etliche Details in den vielfältigen Erläuterungen nicht mehr ganz „up-to-date“ sind, helfen sie doch ungemein beim Verstehen heutiger Entwicklungen.
Peter Mertens ist Generalsekretär der belgischen Partei der Arbeit (PTB - Parti du Travail de Belgique/ PvdA - Partij van de Arbeit van België) und seit 2019 auch Mitglied der belgischen Abgeordnetenkammer. Sein Buch ist vieles zugleich: Kritik der momentanen Weltordnung, Enthüllung ihrer widersprüchlichen Facetten und deren Folgen, engagierte Beschreibung multipler Kämpfe und Widerstandsformen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Aufruf (und auch ein kleines bisschen Handlungsanleitung) zum grundlegenden Systemwechsel. Und weil das alles auch noch lesbar, spannend, erklärend und teilweise auch trotz vieler bitterer Passagen humorvoll präsentiert wird, muss dieses Buch unbedingt lesen, wer mit dem Jetzt auch nur ansatzweise unzufrieden ist.
Weltordnung? Systemwechsel? – Ja, eines sollte klargestellt werden: Wer sich aufgrund allgemeinen Sprachgebrauchs von dem Titel „Meuterei“ ein schifffahrtsthematisches Buch verspricht, liegt schief. Für Mehrtens hat der Begriff des Meuterns zwar einen historischen Seefahrtsbezug – aber unbedingt auch eine allgemeinpolitische, ja, gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Er erzählt mit analytischer Schärfe und ausgeprägtem Klassenbewusstsein von großen, vergangenen Streiks in Zeiten alter Industriestrukturen mit vielfach gut organisierten Arbeiterbewegungen – Streiks, die sich oft neben etablierten Gewerkschaften entwickelten oder sogar gegen sie richteten. Teils waren das auf Lohn- und verwandte ökonomische Fragen bezogene Arbeitskämpfe, teils begrenzte, oft spontane gesellschaftliche Aufstände gegen Regierungspläne wie beispielsweise zur Rentenpolitik.
Aber für Mertens reicht der Begriff der Meuterei viel weiter: Er sieht auch in heutigen globalen Entwicklungen immer wieder und immer öfter Elemente dieser Form aufständischen Verhaltens. Ob Länder des globalen Südens sich gegen weitere Bevormundung durch die Mächte des globalen Nordens zur Wehr setzen oder ob zivilgesellschaftliche Kräfte sich international gegen immer stärker grassierende Konzentrationen in unterschiedlichsten Branchen stemmen – solche Bewegungen gelten Mertens dann im Unterschied zur klassenkämpferischen Meuterei von unten als eine, die die Widersprüche in der und gegen die globale Weltordnung zum Tanzen zu bringen versucht.
Das Einzige, was einen daran hindern sollte, dieses Buch zu lesen, wäre das Erscheinen einer aktualisierten Neuauflage – aber da die bislang nicht in Sicht ist…
Peer Janssen





















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