Den Haien zuliebe – Rezension

Abel, Daniel C.: Sharkpedia – Die erstaunliche Welt der Haie;
Hamburg, 2025; mairisch Verlag; Hardcover, 187 Seiten;
ISBN 978-3-9487-2249-4; Preis 20,00 Euro

Schade. Sehr schade. Dies hätte ein tolles Büchlein werden können – wenn sich Autor und Verlag etwas mehr Mühe gegeben hätten.

Kein schöner Beginn einer Rezension? Na, gut. Dann eben ein anderer Anfang: Daniel C. Abel ist nach eigener Darstellung ein Haibiologe aus South Carolina, der seinen ersten Hai als Kind beim Angeln mit seinem älteren Bruder gesehen haben will. Er hat sich diesen Tieren gewidmet, bekennt sich zur Wertschätzung für ihren Schutz im Besonderen (und der Natur im Allgemeinen) und hat zwei Bücher und mehrere Artikel über Haie veröffentlicht. Mit Sharkpedia will er dazu beitragen, die biologische Vielfalt der Haie zu erhalten. So weit, so gut. Leider disqualifiziert er einige dieser Vor- und Ansätze, indem er beschreibt, wie er dieses Buch konzipiert hat: Er habe eine Liste von mehr als 300 Begriffen entworfen, das schien ihm zuviel – und deshalb sei dieses Buch nun eine „repräsentative“ Auswahl, aber „weniger als (eine) umfassende Sammlung von Hai-Begriffen“. – Sorry, aber das klingt ein bisschen wie, pardon, Resteverwertung.

Sicher ist zweierlei: Erstens sind viele dieser Beiträge tatsächlich informativ und unterhaltsam zu lesen, das kann und darf an dieser Stelle nicht geleugnet werden. Zweitens aber ist der Titel – unverkennbar eine Anlehnung an das vertraute „Wikipedia“ – eine Anmaßung, denn weder in Struktur noch Gestaltung kann dieses Buch dem bekannten Online-Lexikon (bei all dessen Schwächen) auch nur annähernd das Wasser reichen. Und das wiederum schmälert das Lesevergnügen ungemein.

Munteres Durcheinander

Die Beiträge sind von A wie „Adaption“ bis Z wie „Zigarrenhai“ geordnet. Aber das ist auch das nahezu einzige „pedia“-Merkmal – denn die so streng alphabetisch sortierten Begriffe sind sachlich munter durcheinander gewürfelt. Es werden Namen einzelner Arten mit biologischen Fachbegriffen, Verhaltensweisen, Umwelteinflüssen, geographischen Zuordnungen oder Mythen so undurchschaubar aneinander gereiht, dass selbst der interessierte Leser oft den Überblick verliert. Gerade hat man sich über ein wissenswertes Detail, eine originelle Anmerkung gefreut, da folgt im nächsten Beitrag eine Beschreibung, die – sofern verständlich – mehr Fragen offen lässt als beantwortet. In Verbindung mit der bedauerlichen Tatsache, dass diesem Buch weder eine geordnete Übersicht noch ein Stichwortverzeichnis noch strukturierte Querverweise gegönnt wurden, wird das Lesen der einzelnen Beiträge zu einem von Zufällen, offenen Fragen und ungewissen Erkenntnissen durchzogenen Abenteuer.

Unschön hinzu kommt, dass das Büchlein etwas luschig lektoriert und korrigiert worden ist. Da ist zum Beispiel die Sache mit der Gender-Schreibweise: Manche (ja, der Autor zählt dazu) finden Sternchen im Lesetext störend – das ist das eine. Aber wenn es auch hier völlig unübersichtlich durcheinander geht, fühlt man sich alsbald echt genervt: Auf Seite 52 ist die Rede von Wissenschaftler*innen, auf 55 von Kolleginnen und Kollegen, auf 58 von Haifreunden, auf 59 von Forschenden – ja, wat denn nu? Ein anderes Beispiel sind die Illustrationen eines Künstlers namens Marc Dando: Attraktive Strichzeichnungen mit viel Liebe zum Detail, danke, Marc. Unklar bleibt nur, warum der Verlag ausnahmslos auf Bildbeschreibungen verzichtet hat, denn nur manchmal ergibt sich aus dem Text umzu, worum es sich handelt – manchmal muss man danach suchen und hin und wieder sucht man vergeblich. Pfff.

Ein Fazit? – Dieses Buch kann man sich antun und, ja, dabei oft auch schmunzeln oder etwas lernen. Man kann es aber auch lassen, obwohl das Thema dies eigentlich nicht verdient hat.

Peer Janssen