{"id":7262,"date":"2018-03-30T00:17:00","date_gmt":"2018-03-29T22:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/waterkant.info\/?page_id=7262"},"modified":"2024-04-10T15:43:38","modified_gmt":"2024-04-10T13:43:38","slug":"wie-die-nordseeregion-wurde-was-sie-ist-rezension","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waterkant.info\/?page_id=7262","title":{"rendered":"Wie die Nordseeregion wurde, was sie ist \u2013 Rezension"},"content":{"rendered":"<p class=\"bu\">Pye, Michael: Am Rand der Welt \u2013 Eine Geschichte der Nordsee;<br \/>\nFrankfurt \/ Main, 2017; S. Fischer Verlag GmbH; Hardcover, 475 Seiten;<br \/>\nISBN: 978-3-1000-2483-1; Preis 26,00 Euro.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-12096\" src=\"https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"321\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1-196x300.jpg 196w, https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1-669x1024.jpg 669w, https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1-98x150.jpg 98w, https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1-768x1176.jpg 768w, https:\/\/waterkant.info\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pye_978-3-1000-2483-1.jpg 771w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/>Was f\u00fcr ein Buch! Anstrengend. Vergn\u00fcglich. Lehrreich. Eigentlich v\u00f6llig daneben und doch prima. Klingt verwirrend? \u2013 So ist dieses Buch.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Schon der Titel sorgt, wenn man die ersten Seiten oder auch nur das knappe Inhaltsverzeichnis gelesen hat, f\u00fcr Verwirrung. Nein, dies ist keine Geschichte eines Meeres mit Riffen, S\u00e4nden, Watten sowie mariner Fauna und Flora. Es geht nicht um die Frage, wie die Nordsee entstanden, wie sie sich physikalisch oder biologisch entwickelt hat. Dieses Buch ist pure Anthropozentrik \u2013 es geht um die Nordseeregion als Lebensraum f\u00fcr V\u00f6lker, als Aktionsfeld f\u00fcr Eroberer, als Siedlungsgebiet, als Kulturraum.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Michael Pye\u00a0(72) ist ein Oxford-Historiker, der laut Verlagsangabe f\u00fcr diverse britische Medien als Kolumnist und Reporter t\u00e4tig war und heute \u201eabwechselnd in London und Portugal\u201c lebt. Es mag diese Kombination von Wissenschaftler und Journalist sein, die Pye zu einem brillanten Erz\u00e4hler macht, der f\u00fcr einen fl\u00fcssig und angenehm lesbaren Textzusammenhang auch mal in Kauf nimmt, seinen Faden zu verlieren, um ihn sp\u00e4ter aber gekonnt wieder aufzunehmen. Manche, die \u00fcber sein Buch geschrieben haben, werfen ihm mangelnde geografische Genauigkeit vor oder vermissen klare Zeitleisten; irgendwo stand gar der Begriff \u201eabschweifend\u201c. Na, und? Man muss sich auf dieses Buch einlassen (wollen), dann ist es \u2013 siehe oben \u2013 zwar anstrengend, aber vergn\u00fcglich und sehr lehrreich.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Eingangs war die Rede vom knappen Inhaltsverzeichnis: Da finden sich \u2013 auf den Titel bezogen: so skurrile \u2013 Schlagworte wie beispielsweise die \u201eErfindung des Geldes\u201c, \u201eBuchhandel\u201c, \u201eMode\u201c, \u201eLiebe und Kapital\u201c oder \u201eGeschriebenes Recht\u201c. Das klingt nicht nach \u201eNordsee\u201c und doch bringt Pyes Erz\u00e4hlweise dem von Seite zu Seite neu erstaunenden Leser nahe, was dies alles und mehr mit dem Meer zu tun hat. Ja, er springt dabei gerne mal zwischen Jahrhunderten hin und her, aber letztlich geht es immer um das eine: Aufzuzeigen, wie die Nordsee und ihre K\u00fcsten die eigenen Menschen gepr\u00e4gt und beeinflusst und Menschen von anderswo aus wechselnden Motiven \u2013 von Habgier bis Erholung \u2013 angezogen haben.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">China, Indien, Griechenland? Wo immer die Wurzeln des Geldes zu suchen sind, f\u00fcr Pyes Nordsee waren es die Friesen, die f\u00fcr ihren Handel auf dem und am \u201eFriesischen Meer\u201c das Geld \u201eneu erfanden\u201c. Und das so erfolgreich, \u201edass \u201aFriese\u2018 im London des 7.\u00a0Jahrhunderts \u201aKaufmann\u2018 bedeutete\u201c. Aber nicht nur Tauschw\u00e4hrungen und Zahlungsmittel machten diesen Handel m\u00f6glich. Es bedurfte auch fr\u00fchzeitig eines Informationsaustausches \u2013 Pye schildert, manchmal detailverliebt, was B\u00fccher au\u00dferhalb irgendwelcher Kloster-Schreibstuben alles bewirkt haben. Er erz\u00e4hlt von Wikingern, die das Meer befuhren, ebenso wie von Mongolen, die die Region zwar nie erreichten und dennoch ihre Entwicklung beeinflussten. Piraten und Kaufleute verschiedener Epochen sind f\u00fcr Pye ebenso abwechslungsreiche Themen wie Kuren an der K\u00fcste oder die Pest. Er schreibt \u00fcber Herrschaftsformen in vielen Ausw\u00fcchsen, \u00fcber freie Denkweisen und brutale Entrechtung, \u00fcber Hygiene und Sex, \u00fcber Aktien und Kriege.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Man muss sich auf dieses Buch einlassen \u2013 unbedingt. Es ist ein Gewinn.<\/span><\/p>\n<p align=\"RIGHT\"><span style=\"font-size: medium;\">Burkhard Ilschner<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pye, Michael: Am Rand der Welt \u2013 Eine Geschichte der Nordsee; Frankfurt \/ Main, 2017; S. Fischer Verlag GmbH; Hardcover, 475 Seiten; ISBN: 978-3-1000-2483-1; Preis 26,00 Euro. Was f\u00fcr ein Buch! Anstrengend. Vergn\u00fcglich. Lehrreich. 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