{"id":10603,"date":"2022-11-10T20:02:24","date_gmt":"2022-11-10T19:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/waterkant.info\/?p=10603"},"modified":"2022-12-23T00:37:01","modified_gmt":"2022-12-22T23:37:01","slug":"hapag-lloyd-meldet-rekordgewinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waterkant.info\/?p=10603","title":{"rendered":"Hapag-Lloyd meldet Rekordgewinn"},"content":{"rendered":"<p>Die teilstaatliche Hamburger Reederei Hapag-Lloyd sorgt mit einem fulminanten Neun-Monats-Zwischenergebnis f\u00fcr Schlagzeilen: Wie das maritime Portal <em>Hansa<\/em> heute vorrechnete, erwartet das Unternehmen f\u00fcr die ersten drei Quartale dieses Jahres mit knapp 13,8 Milliarden Euro einen rund 2,5mal h\u00f6heren Konzerngewinn als im Vorjahrszeitraum; damals wurden \u201enur\u201c 5,6 Milliarden Euro verdient. <!--more--><\/p>\n<p>Das Ergebnis veranlasste die Nachrichtenagentur dpa zu einem originellen Vergleich: Die Reederei stehe \u201ein puncto Profit in diesem Jahr in einer Liga zum Beispiel mit Volkswagen und Mercedes-Benz\u201c. Der Grund liegt auf der Hand: Einerseits haben die zeitweise rasant steigenden Frachtraten Einnahmen in zuvor nicht gekannter H\u00f6he in die Kasse (nicht nur) der Hamburger Reederei gesp\u00fclt. Andererseits flauen die pandemisch bedingten St\u00f6rungen der Lieferketten, die den Boom gleichwohl forciert hatten, zwar ab \u2013 ihnen folgen aber wachsende Risiken vom inflationsbedingten Kostenanstieg bis zu massiv steigenden Energiekosten.<\/p>\n<p>Die knappen Transportkapazit\u00e4ten, die die Frachtraten ma\u00dfgeblich in die H\u00f6he getrieben hatten, haben sich zwar entspannt, das birgt aber zugleich neue Gefahren: Zum einen verzeichnen Experten eine Abschw\u00e4chung der Nachfrage nach Containertransporten insbesondere im so genannten Head-haul-Verkehr, also auf f\u00fchrenden Linienrouten zum Beispiel von und nach Fernost. Der in D\u00e4nemark ans\u00e4ssige Branchenverband <em>Baltic and International Maritime Council<\/em> (BIMCO) etwa meldete j\u00fcngst, das Frachtaufkommen im Head-Haul-Verkehr sei im September 2022 um 15,5 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat gesunken. Laut Hansa sieht BIMCO-Analyst Niels Rasmussen dies als Warnung, \u201edass aufliegende Schiffe und weitere Frachtratensenkungen bevorstehen\u201c k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Zum anderen aber hat die Phase brillanter Einnahmen bei knappem Schiffsraum viele f\u00fchrende Reedereien zu erheblichen Neubauauftr\u00e4gen veranlasst: Die globale Containerschiffsflotte z\u00e4hlt nach Angaben von <em>alphaliner<\/em> aktuell 6489 Einheiten mit einer Kapazit\u00e4t von 26,233 Millionen TEU (Einheit f\u00fcr 20-Fu\u00df-Standardcontainer) \u2013 das sind 140 Schiffe und 0,693 Millionen TEU mehr als im M\u00e4rz dieses Jahres. Zugleich aber stehen in den Orderb\u00fcchern der Werften allein f\u00fcr die zehn weltgr\u00f6\u00dften Reedereien Neubauauftr\u00e4ge f\u00fcr 363 weitere Schiffe mit 4,502 Millionen TEU Kapazit\u00e4t. Rasmussen mahnt, die Schifffahrtskonzerne h\u00e4tten unter dem Druck schw\u00e4chelnder Weltwirtschaft und r\u00fcckl\u00e4ufiger Transportmengen eine seit 2019 um 11,8 Prozent gewachsene Flotte zu managen und dabei weiteres Flottenwachstum von 9,9 Prozent allein bis 2023 zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p><strong>Skepsis \u00fcber Tonnagesteuer<\/strong><\/p>\n<p>Die daraus erwachsenden Risiken sieht auch Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen, zeigt sich aber verhalten optimistisch: Die starke Hapag-Bilanz werde \u201edabei helfen, auch in schwierigem Fahrwasser Kurs zu halten\u201c. Zugleich r\u00e4umte er ein, dass die geringe Steuerlast durch die umstrittene Tonnagesteuer betr\u00e4chtlich zu dem Ergebnis beigetragen habe und reagierte einlenkend auf den zunehmenden \u00f6ffentlichen Druck: Es k\u00f6nne eventuell \u201efair\u201c sein, an diesem System etwas zu \u00e4ndern. Ob das ernst gemeint ist oder wegen Wettbewerbsdrucks \u2013 auch andere Staaten kennen diese Ministeuer \u2013 dann doch wieder im Elbschlick versinkt, bleibt abzuwarten. Jansen will perspektivische Konsequenzen erst im M\u00e4rz kommenden Jahres mit der 2022-Gesamtbilanz formulieren. In diesem Kontext schaut die Branche auch gebannt auf die ausstehende Entscheidung der EU-Kommission \u00fcber die ebenfalls umstrittene Gruppenfreistellungsverordnung, der ihre Kritiker unter anderem nachsagen, sie beg\u00fcnstige die Oligopol-Bildung in der Schifffahrt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat der Konzentrationsprozess bei den globalen Reedereien kr\u00e4ftig zugelegt: Seit diversen Jahren teilen sich f\u00fcnf Gro\u00dfe die Spitze (mit gelegentlichen Verschiebungen untereinander): die Schweizer MSC, der d\u00e4nische M\u00e6rsk-Konzern, Frankreichs CMA\u00a0CGM Group, der chinesische Staatskonzern Cosco sowie Hapag-Lloyd. Aktuell stellen diese Reedereien rund 64 Prozent der globalen Transportkapazit\u00e4t \u2013 gut f\u00fcnf Prozent mehr als noch vor f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p class=\"bu\">Eine \u00e4hnliche Version dieses Beitrags ist auch<br \/>\nin der <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tageszeitung &#8222;junge Welt&#8220;<\/a> vom 12. November 2022 zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die teilstaatliche Hamburger Reederei Hapag-Lloyd sorgt mit einem fulminanten Neun-Monats-Zwischenergebnis f\u00fcr Schlagzeilen: Wie das maritime Portal Hansa heute vorrechnete, erwartet das Unternehmen f\u00fcr die ersten drei Quartale dieses Jahres mit knapp 13,8 Milliarden Euro einen rund 2,5mal h\u00f6heren Konzerngewinn als &hellip; <a href=\"https:\/\/waterkant.info\/?p=10603\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-10603","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10603"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10603\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}