{"id":11019,"date":"2023-04-05T15:17:10","date_gmt":"2023-04-05T13:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/waterkant.info\/?p=11019"},"modified":"2023-05-04T14:39:41","modified_gmt":"2023-05-04T12:39:41","slug":"hamburgs-schlick-rechentricks-statt-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waterkant.info\/?p=11019","title":{"rendered":"Hamburgs Schlick: Rechentricks statt L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine endlose, teure und peinliche Posse, das Gezerre um die kontinuierliche Ausbaggerung der Elbe im Interesse der Hamburger Hafenwirtschaft: Peinlich seit Langem, teuer sowieso \u2013 und endlos, weil schon wieder getrickst wurde.\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich erst hatten sich die Bundesl\u00e4nder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen <a href=\"https:\/\/waterkant.info\/?p=10653\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unter lautem Tamtam darauf verst\u00e4ndigt<\/a>, keinen Schlick nahe der Vogelinsel Scharh\u00f6rn zu deponieren. Stattdessen wurde die seit 2005 geltende Genehmigung, nahe Helgoland bei Fahrwassertonne \u201eE 3\u201c Baggergut aus Elbe und Hamburger Hafen zu verklappen, verl\u00e4ngert; allerdings mit der Ma\u00dfgabe, alsbald neue Optionen zu suchen. Kritiker hatten damals \u2013 Ende Dezember 2022 \u2013 bereits prophezeit, dass diese Suche wohl im Schlick versacken d\u00fcrfte. Und genau so ist es jetzt gekommen. Gestern vereinbarten Hamburg und Schleswig-Holstein weitere E-3-Verklappung f\u00fcr zehn Jahre bei gleichzeitiger Erh\u00f6hung von 1,5 auf j\u00e4hrlich zwei Millionen Tonnen.<\/p>\n<p>Peinlich sei das vor allem wegen des hierbei angewendeten Rechentricks, erl\u00e4utert Klaus Baumgardt vom Hamburger Umweltverband \u201eRettet die Elbe\u201c (RdE): Amtlich sei die Rede von Millionen Tonnen Trockensubstanz, real entspreche das der zweieinhalbfachen Menge in Kubikmetern. Hamburg hat also nun Erlaubnis, in zehn Jahren rund 50 Millionen Kubikmeter bei E 3 zu verklappen \u2013 fast das Anderthalbfache jener 35 Millionen Kubikmeter, die f\u00fcr die j\u00fcngste, neunte Elbvertiefung 2020\/21 gebaggert worden sind.<\/p>\n<p>Zwar muss Hamburg daf\u00fcr mehr bezahlen als bisher, zwar soll ein Teil dieses Geldes in Forschungs- und Ausgleichsma\u00dfnahmen flie\u00dfen: An der eigentlichen Misere st\u00e4ndig steigender Baggergutmengen \u00e4ndert das nichts. Im Gegenteil: Schon vor der neunten Vertiefung hat das Sedimentaufkommen im Zusammenspiel mit hydrodynamischen Ver\u00e4nderungen, Klimawandel und \u00c4nderungen des Tidegeschehens st\u00e4ndig zugenommen, was die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) massiv unter Druck setzt.<\/p>\n<p><strong> \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung ausgehebelt<\/strong><\/p>\n<p>Die Hilflosigkeit insbesondere der Hamburger Politik zeigt sich auch in dem obskuren Vorgehen zur aktuellen Beschlussfassung. Wie RdE beschreibt, hat Hamburg offenbar gezielt eine eigentlich geplante \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung ausgehebelt: Anfang M\u00e4rz habe die HPA beim Kieler Umweltministerium die Verl\u00e4ngerung der E-3-Verklappung samt Mengenerh\u00f6hung beantragt, so Baumgardt. Kiel \u2013 zust\u00e4ndig, weil die Helgoland-Umgebung zu Schleswig-Holsteins Hoheitsgebiet geh\u00f6rt \u2013 habe daraufhin 23 Verb\u00e4nde eingeladen, bis Anfang Mai zu den mehr als 1000 Seiten umfassenden Antragsunterlagen Stellung zu nehmen. Daraus aber wurde nichts, vielmehr sei das Vorhaben jetzt &#8222;auf Druck von Hamburg&#8220; bei einer gemeinsamen Sitzung der Kieler Landesregierung und des Hamburger Senats in Brunsb\u00fcttel \u201everbindlich vereinbart\u201c worden, \u201emit allen entscheidenden Regelungen \u00fcber Menge, Ort, Zeitraum und Preis\u201c. RdE spricht von einer \u201eErpressung durch Hamburg\u201c und stellt fest: \u201eDamit ist die Beteiligung von \u00d6ffentlichkeit obsolet.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Agenturen Kiels gr\u00fcnen Umweltminister Tobias Goldschmidt zitieren, die Vereinbarung atme \u201eden Geist der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr das Weltnaturerbe Wattenmeer, die Elbe sowie den Hamburger Hafen als wirtschaftliche Drehscheibe Nordeuropas\u201c, verlangt RdE \u2013 zum wiederholten Male \u00fcbrigens \u2013, dass vor weiterer Verklappung in die Nordsee endlich eine \u201eSedimentbilanz\u201c zu erstellen sei, \u201eund zwar auf der Zeitschiene von 1999 bis heute\u201c, also seit Abschluss der achten Elbvertiefung. Auch die j\u00fcngsten Antragsunterlagen, kritisiert RdE, enthielten keine Informationen \u00fcber den Zustand der Tideelbe: \u201eWas passiert, wenn man ihr st\u00e4ndig Sediment entnimmt und sie damit vertieft?\u201c Vorliegende Amtsgutachten seien allesamt veraltet, die misslungene neunte Elbvertiefung \u201esollte Warnung genug sein, nicht einfach weiter zu baggern wie bisher\u201c, sondern zuvor die Ursache des Problems zu untersuchen.<\/p>\n<p>Alternativen zu E 3 hat Hamburg indes derzeit nicht: Eine Verklappung auf See, in der Ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszone (AWZ), wird als Pr\u00e4zedenzfall erst vom Bundesamt f\u00fcr Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gepr\u00fcft \u2013 Entscheidung nicht vor 2025.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine endlose, teure und peinliche Posse, das Gezerre um die kontinuierliche Ausbaggerung der Elbe im Interesse der Hamburger Hafenwirtschaft: Peinlich seit Langem, teuer sowieso \u2013 und endlos, weil schon wieder getrickst wurde.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-11019","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11019\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/waterkant.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}