Olaf Lies mahnt Häfen-Investitionen an

Nie­der­sach­sens Verkehrs-und Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD), für beschei­de­ne Wort­wahl eher nicht bekannt, sprach von „gigan­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen“, als er zu Beginn die­ser Woche in Olden­burg die Jah­res­bi­lanz 2024 der lan­des­ei­ge­nen See­hä­fen vor­stell­te. Media­le Auf­merk­sam­keit war ihm damit sicher. 

Aller­dings gal­ten die­se dras­ti­schen Wor­te weni­ger den neun Häfen Bra­ke, Cux­ha­ven, Emden, Leer, Nor­den­ham, Olden­burg, Papen­burg, Sta­de und Wil­helms­ha­ven – deren Ergeb­nis­se lesen sich in wei­ten Tei­len bes­ser als erwar­tet. Viel­mehr geht es dem Minis­ter und den ihm unter­stell­ten Gesell­schaf­ten Sea­ports (Häfen-Marketing) und NPorts (Nie­der­sach­sens Häfen­ver­wal­tung) um die Gefah­ren, denen die Hafen- und Ver­kehrs­wirt­schaft nicht nur des eige­nen Lan­des aus­ge­setzt ist: Maro­de Infra­struk­tur, mas­si­ver Sanie­rungs­stau und eine nach wie vor unkla­re Seehäfen-Finanzierung – Kri­tik an alter, For­de­rung an neue Bundespolitik.

Ins­ge­samt haben die neun Häfen in 2024 einen Gesamt­um­schlag von rund 55,5 Mil­lio­nen Ton­nen erzielt. Das bedeu­tet zwar ein Plus von fast zehn Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr, als 50,58 Mil­lio­nen Ton­nen bilan­ziert wor­den waren; und es ist zugleich das bes­te Ergeb­nis der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re. Aller­dings sind die Ent­wick­lungs­sprün­ge (trotz jähr­li­cher Inves­ti­tio­nen im jeweils drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich) ins­ge­samt eher mar­gi­nal – mal ein biss­chen rauf, mal run­ter. Das nied­rigs­te Ergeb­nis der Deka­de brach­te das Corona-Jahr mit 48,5 Mil­lio­nen Tonnen.

Im Fokus der Auf­merk­sam­keit steht natür­lich Wil­helms­ha­ven als mit Abstand größ­ter Lan­des­ha­fen (35,3 Mil­lio­nen Ton­nen), des­sen Tief­was­ser­ter­mi­nal Jade­We­ser­Port (JWP) ja erst jüngst für erneu­te Schlag­zei­len sorg­te. Die dro­hen­de Insol­venz wegen eines fäl­li­gen Kre­dits in Höhe von 125 Mil­lio­nen Euro scheint aber inzwi­schen vom Tisch. Olaf Lies hat sei­nen Anteil zuge­sagt und Bre­men mitt­ler­wei­le auch.

JWP: Zuwachs ja, aber…

Wil­helms­ha­ven ver­zeich­ne­te im ver­gan­ge­nen Jahr zum einen beträcht­li­che Zuwäch­se sowohl bei Mas­sen­gü­tern („flüs­si­ge“ plus acht, „fes­te“ plus 13 Pro­zent) als auch im Fahr­zeug­um­schlag. Auf­fäl­lig aber war vor allem das Plus von 59 Pro­zent im Con­tai­ner­um­schlag am JWP: 2022 hat­te Hapag-Lloyd den Betrei­ber­an­teil der däni­schen Ree­de­rei Mærsk über­nom­men und seit­her meh­re­re trans­kon­ti­nen­ta­le Ver­bin­dun­gen an die Jade ver­la­gert – durch­aus zum Nach­teil des Reederei-Stammsitzes Ham­burg. Von dem Anfang Febru­ar gestar­te­ten neu­en Gemini-Bündnis von Hapag-Lloyd und Mærsk wird wei­te­rer Zuwachs am JWP erwar­tet. Aller­dings liegt das jüngs­te Rekord­ergeb­nis des JWP mit rund 0,84 Mil­lio­nen TEU immer noch weit unter der amt­li­chen Kapa­zi­täts­mar­ge von 2,7 Mil­lio­nen TEU.

Drei Häfen Nie­der­sach­sens muss­ten 2024 Umschlags­rück­gän­ge hin­neh­men: Olden­burg mit -83, Bra­ke mit -11 und Nor­den­ham mit -24 Pro­zent. Das hat einen eben­so ein­fa­chen wie beacht­li­chen Grund: Gleich zwei­mal waren 2024 Schif­fe mit einer Brü­cke über das Flüss­chen Hun­te kol­li­diert. Deren nach­fol­gen­de Sper­run­gen leg­ten den klei­nen Hafen Olden­burg fast völ­lig lahm – und beein­träch­tig­ten das Umschlags­ge­sche­hen sowohl in Bra­ke als auch in Nor­den­ham erheb­lich, weil bei­de von den für sie wich­ti­gen Bahn­ver­keh­ren abge­schnit­ten waren.

Das führt zum ein­gangs zitier­ten State­ment von Olaf Lies über maro­de Infra­struk­tur und unkla­re Seehäfen-Finanzierung: Einer­seits zum Zustand der Bahn und der Abhän­gig­kei­ten nicht nur der Häfen von ihrem zuver­läs­si­gen Funk­tio­nie­ren, ande­rer­seits zur bis heu­te unkla­ren Bun­des­fi­nan­zie­rung von See­hä­fen. Deren öko­no­mi­sche Bedeu­tung reicht ja weit über die Küs­te hin­aus, betrifft die gesam­te Repu­blik. 38 Mil­lio­nen Euro jähr­lich zahlt der Bund der­zeit für alle natio­na­len Häfen, 500 Mil­lio­nen jähr­lich plus Sanie­rungs­bei­trag for­dern die Küs­ten­län­der – zuge­sagt war eine Klä­rung in der Hafenstra­te­gie des Bun­des, umge­setzt wur­de davon bis­lang nichts.

 

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WATERKANT-Redaktion