Eigner-Länder müssen wieder JWP retten

Deutsch­lands Tief­was­ser­ha­fen, der Wil­helms­ha­ve­ner Jade­We­ser­Port (JWP), sorgt wie­der ein­mal für unlieb­sa­me Schlag­zei­len. Die Bun­des­län­der Nie­der­sach­sen und Bre­men müs­sen ihn durch einen tie­fen Griff in ihre knap­pen Haus­halts­kas­sen vor einer dro­hen­den Insol­venz bewahren. 

In regio­na­len Medi­en ist zum Monats­wech­sel von feh­len­den 125 Mil­lio­nen Euro die Rede. Das Hafen­ma­nage­ment beschwich­tigt aber, die frag­li­che Finan­zie­rungs­lü­cke sei seit lan­gem bekannt. Na, ja. Zwar konn­te der Ter­mi­nal soeben für 2024 den höchs­ten Umschlag sei­ner Geschich­te mel­den – aller­dings bleibt er selbst mit die­sen 843.452 TEU immer noch mas­siv unaus­ge­las­tet: Bei Pla­nung und Bau des Hafens mit einer Umschlags-Kapazität von jähr­lich 2,7 Mil­lio­nen TEU war ihm in fünf bis sechs Jah­ren ab Inbe­trieb­nah­me (2012) Voll­aus­las­tung vor­her­ge­sagt worden.

Der Hafen an der Jade hat zwei Eig­ner, die Bun­des­län­der Nie­der­sach­sen (50,1 Pro­zent) und Bre­men (49,9 Pro­zent). Und er hat zwei Trä­ger­ge­sell­schaf­ten: Die JWP Mar­ke­ting­ge­sell­schaft ver­mark­tet und ver­wal­tet das ange­schlos­se­ne Güter­ver­kehrs­zen­trum mit Logis­tik­flä­chen und -hal­len; das Geschäft läuft zufrie­den­stel­lend. Die JWP Rea­li­sie­rungs­ge­sell­schaft indes, zustän­dig für die Hafen­in­fra­struk­tur, schleppt sich von einer Finanz­not zur nächs­ten: Nicht nur die man­geln­de Aus­las­tung drückt das wirt­schaft­li­che Ergeb­nis, son­dern vor allem die Kos­ten für die stän­di­ge Aus­bag­ge­rung der Fahr­rin­ne, damit der Ter­mi­nal ein Tief­was­ser­ha­fen bleibt – allein dies ver­schlingt jähr­lich zwi­schen acht und elf Mil­lio­nen Euro. Wie­der­holt muss­ten die Län­der des­halb schon draufzahlen.

Die Rea­li­sie­rungs­ge­sell­schaft hat 2026 einen Kre­dit über besag­te 125 Mil­lio­nen Euro zurück­zu­zah­len – und kann das aus genann­ten Grün­den nicht. Also sind die bei­den Eigner-Länder in der Pflicht, denn sie haben für die­sen Kre­dit gebürgt. Nie­der­sach­sen, so zitiert die Olden­bur­ger Nordwest-Zeitung Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD), „stand und steht zu Wil­helms­ha­ven und zu sei­nen Ver­pflich­tun­gen und hat dies abgesichert.“

In Bre­men hin­ge­gen sorgt die Aus­sicht, wei­te­re 62,5 Mil­lio­nen Euro beim JWP zuschie­ßen zu müs­sen, für Unru­he: Sta­gnie­ren­de Steu­er­ein­nah­men einer­seits, hohe Anfor­de­run­gen ande­rer­seits las­sen das SPD-Grünen-Linke-Bündnis vor aktu­el­len Haus­halts­be­ra­tun­gen ins Schwit­zen gera­ten. Nicht nur Bil­dung, Sozia­les oder Ver­kehrs­in­fra­struk­tur müs­sen drin­gend finan­ziert wer­den, auch Bre­mer­ha­vens Con­tai­ner­ka­je war­tet auf Auf­fri­schung und der geplan­te Ener­gy Port auf Rea­li­sie­rung.

Bre­mer­ha­vens neu­er Part­ner COSCO

Dabei geht es der bre­mi­schen Hafen­wirt­schaft selbst der­zeit ver­hält­nis­mä­ßig gut: Wäh­rend Kon­kur­rent Ham­burg gera­de ein Umschlags-Minus von 2,1 Pro­zent für 2024 bilan­zier­te, kön­nen die Häfen in Bre­men und Bre­mer­ha­ven mit einem Plus von 5,9 Pro­zent prot­zen. Ham­burgs Con­tai­ner­um­schlag leg­te um 0,9 Pro­zent zu, der bre­mi­sche um 6,3 Pro­zent. Zwar schwä­chel­te jüngst der Fahr­zeug­um­schlag an der Weser­mün­dung etwas, Bre­mer­ha­ven als einer der größ­ten Auto­ter­mi­nals der Welt muss­te mit 1,52 Mil­lio­nen Fahr­zeu­gen ein Minus von 15,2 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr hin­neh­men. Aber das soll sich in Bäl­de ändern.

Der mehr­heit­lich staats­ei­ge­ne Hafen­be­trei­ber BLG Logi­stics ver­kün­de­te gera­de den Abschluss einer „stra­te­gi­schen Part­ner­schaft“ mit Chi­nas staat­li­chem Kon­zern COSCO Ship­ping: Laut einem Abkom­men mit der Toch­ter Cosco Ship­ping Car Car­ri­ers soll Bre­mer­ha­ven dem­nach nicht nur Coscos pri­mä­rer Ein­gangs­ha­fen für den deut­schen und euro­päi­schen Fahr­zeug­markt, son­dern auch Ver­tei­ler („Dreh­kreuz“) für Skan­di­na­vi­en, das Bal­ti­kum und Ost­eu­ro­pa wer­den. Die BLG spricht von einem „Netz­werk­vor­teil“ für Cosco durch Nut­zung des Ver­bunds von Seehafen- und Inland­ter­mi­nals, tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen sowie Trans­port auf Stra­ße und Schie­ne. Geplant ist ein Lini­en­dienst mit min­des­tens zwei Cosco-Anläufen in Bre­mer­ha­ven pro Monat. Aller­dings baut Cosco gera­de sei­ne Autotransporter-Flotte stark aus, allein 2024-26 wer­den 20 wei­te­re Schif­fe in Dienst gestellt.

Klei­ne Skur­ri­li­tät am Ran­de: Auch in Wil­helms­ha­ven blüht der Auto­um­schlag – so stark, dass selbst eine Kajen­ver­län­ge­rung dis­ku­tiert wird. Aber weil das, war­um auch immer, nicht zur Zustän­dig­keit der Rea­li­sie­rungs­ge­sell­schaft gehört, hat das kei­nen Ein­fluss auf den beschrie­be­nen Finanzierungsstreit.

 

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WATERKANT-Redaktion