Unbeeindruckt von allen Warnungen aus Wissenschaftskreisen ignoriert EU-Kommission die Gefahren rasch zunehmender Exposition hochgiftiger so genannter „Ewigkeits-Chemikalien“ in (nicht nur) europäischen Lebensmitteln und Trinkwasservorräten: Das berichtet das Recherche-Portal Follow the Money (FtM) und legt Dokumente vor, die eine massive Einflussnahme der Chemieindustrie – samt der Pestizidhersteller – beweisen, um Risiken zu vertuschen und Regulierung zu blockieren.
„Sie sind in deinem Brot, deinem Frühstücksmüsli und deinen Weinflaschen“, warnt FtM nachdrücklich als Einleitung der Recherche-Reportage: „Sie fließen vielleicht durch dein Blut oder sind in der Milch vorhanden, die Babys von ihren Müttern trinken – aber wahrscheinlich hast du noch nie von ihnen gehört.“ Diese synthetischen Stoffe – ihre Bezeichnung PFAS steht für per- und polyfluoralkylhaltige Substanzen – seien bekannt geworden als „Ewigkeits-Chemikalien“ bekannt, weil sie kaum abgebaut würden. Man findet sie inzwischen überall in Umwelt und Umgebung, in Städten und auf dem Land, in Wüsten, in den Meeren, in abgelegenen Polarregionen, aber eben auch im Regen, im Trinkwasser oder in unseren Körpern. Forschende warnen weltweit vor den Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen dieser Schadstoffe, die unter anderem mit Krebs, Immunsystemstörungen, Fruchtbarkeitsproblemen und Leberschäden in Verbindung gebracht werden.
Das investigative Recherche-Portal Follow the money (FtM) stellt seine Beiträge bei kostenloser Registrierung für einen Probemonat zur Verfügung, darüber hinaus gegen Bezahlung entweder pro Artikel oder im Abonnement – denn diese Einnahmen sind die einzige Finanzierungsquelle der oft aufwändigen Arbeit dieses Journalisten-Teams. WATERKANT wurde ein Abo-Zugang zum Portal vorübergehend kostenfrei gewährt (danke, FtM!), deshalb können wir an dieser Stelle die Reportage über die Ignoranz der Brüsseler EU-Kommission gegenüber den Gefahren der „Ewigkeits-Chemikalien“ (in eigener Übersetzung und stark gekürzt) zusammenfassen. Wer mehr wissen will, klicke auf das abgebildete Logo, es führt direkt zum aktuellen Beitrag.
Insbesondere einer der in diesen PFAS enthaltenen Schadstoffe – die Trifluoressigsäure (TFA) – sorgt, so FtM, für zunehmende Besorgnis unter Wissenschaftlern. „TFA, ein Abbauprodukt einiger Pestizide und Gase, die in Kühlung und Klimaanlagen verwendet werden, verbreitet sich schnell durch Wassersysteme und lässt sich mit herkömmlichen Methoden schwer entfernen. Kürzlich haben Studien in der EU einen rasch steigenden TFA-Wert in Trinkwasser und Lebensmitteln festgestellt, in Konzentrationen, die alle gemeldeten PFAS übertreffen.“
Der Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden von der österreichischen NGO Global 2000 warnt laut FtM vor einem „Systemversagen mit weitreichenden Folgen“. Nahezu alle Wasserquellen seien längst mit dieser Substanz kontaminiert, was alles Leben auf dieser Welt beeinflusse. Dennoch ignoriere Brüssel alle diese Warnungen, trotz wachsender Bedenken bleibe TFA in der EU weitgehend unüberwacht und unreguliert – und das liege nachweislich zu einem beträchtlichen Teil an der Einmischung der Industrie: Die Untersuchung von FtM habe ergeben, „dass der Einfluss und das Lobbying der chemischen Industrie letztlich dazu beigetragen haben, den Schadstoff vor EU-Vorschriften zu Trinkwasser und Pestiziden zu schützen“. Vielmehr hätten die Untersuchungen gezeigt, dass die EU-Kommission „offenbar wissenschaftliche Definitionen ignoriert“ und – im Einklang mit von der Industrie gestützten Behauptungen – die Risiken von TFA heruntergespielt habe. Unter anderem, so FtM, sei seitens der EU-Kommission versucht worden, in Überarbeitungen der europäischen Trinkwasserrichtlinie die wissenschaftlich widerlegte Behauptung der Branche einzubauen, TFA habe „natürliche Quellen“.
Mit Erfolg: Im August vergangenen Jahres habe die Kommission endgültige technische Festlegungen zur Trinkwasserrichtlinie veröffentlicht, wonach TFA nicht als PFAS betrachtet werden. Mehrere Versuche von FtM, die Kommission hierzu direkt zu befragen, seien von Brüssel ignoriert beziehungsweise mit allgemeinen Floskeln abgetan worden (Weitere Details in der ausführlichen FtM-Untersuchung, s. o.).





















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