PFAS: EU-Kommission gibt Lobbyisten nach

Unbe­ein­druckt von allen War­nun­gen aus Wis­sen­schafts­krei­sen igno­riert EU-Kommission die Gefah­ren rasch zuneh­men­der Expo­si­ti­on hoch­gif­ti­ger so genann­ter „Ewigkeits-Chemikalien“ in (nicht nur) euro­päi­schen Lebens­mit­teln und Trink­was­ser­vor­rä­ten: Das berich­tet das Recherche-Portal Fol­low the Money (FtM) und legt Doku­men­te vor, die eine mas­si­ve Ein­fluss­nah­me der Che­mie­in­dus­trie – samt der Pes­ti­zid­her­stel­ler – bewei­sen, um Risi­ken zu ver­tu­schen und Regu­lie­rung zu blockieren. 

Sie sind in dei­nem Brot, dei­nem Früh­stücks­müs­li und dei­nen Wein­fla­schen“, warnt FtM nach­drück­lich als Ein­lei­tung der Recherche-Reportage: „Sie flie­ßen viel­leicht durch dein Blut oder sind in der Milch vor­han­den, die Babys von ihren Müt­tern trin­ken – aber wahr­schein­lich hast du noch nie von ihnen gehört.“ Die­se syn­the­ti­schen Stof­fe – ihre Bezeich­nung PFAS steht für per- und poly­flu­or­al­kyl­hal­ti­ge Sub­stan­zen – sei­en bekannt gewor­den als „Ewigkeits-Chemikalien“ bekannt, weil sie kaum abge­baut wür­den. Man fin­det sie inzwi­schen über­all in Umwelt und Umge­bung, in Städ­ten und auf dem Land, in Wüs­ten, in den Mee­ren, in abge­le­ge­nen Polar­re­gio­nen, aber eben auch im Regen, im Trink­was­ser oder in unse­ren Kör­pern. For­schen­de war­nen welt­weit vor den Umwelt- und Gesund­heits­aus­wir­kun­gen die­ser Schad­stof­fe, die unter ande­rem mit Krebs, Immun­sys­tem­stö­run­gen, Frucht­bar­keits­pro­ble­men und Leber­schä­den in Ver­bin­dung gebracht werden.

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Ins­be­son­de­re einer der in die­sen PFAS ent­hal­te­nen Schad­stof­fe – die Trifluo­res­sig­säu­re (TFA) – sorgt, so FtM, für zuneh­men­de Besorg­nis unter Wis­sen­schaft­lern. „TFA, ein Abbau­pro­dukt eini­ger Pes­ti­zi­de und Gase, die in Küh­lung und Kli­ma­an­la­gen ver­wen­det wer­den, ver­brei­tet sich schnell durch Was­ser­sys­te­me und lässt sich mit her­kömm­li­chen Metho­den schwer ent­fer­nen. Kürz­lich haben Stu­di­en in der EU einen rasch stei­gen­den TFA-Wert in Trink­was­ser und Lebens­mit­teln fest­ge­stellt, in Kon­zen­tra­tio­nen, die alle gemel­de­ten PFAS übertreffen.“

Der Umwelt­che­mi­ker Hel­mut Burtscher-Schaden von der öster­rei­chi­schen NGO Glo­bal 2000 warnt laut FtM vor einem „Sys­tem­ver­sa­gen mit weit­rei­chen­den Fol­gen“. Nahe­zu alle Was­ser­quel­len sei­en längst mit die­ser Sub­stanz kon­ta­mi­niert, was alles Leben auf die­ser Welt beein­flus­se. Den­noch igno­rie­re Brüs­sel alle die­se War­nun­gen, trotz wach­sen­der Beden­ken blei­be TFA in der EU weit­ge­hend unüber­wacht und unre­gu­liert – und das lie­ge nach­weis­lich zu einem beträcht­li­chen Teil an der Ein­mi­schung der Indus­trie: Die Unter­su­chung von FtM habe erge­ben, „dass der Ein­fluss und das Lob­by­ing der che­mi­schen Indus­trie letzt­lich dazu bei­getra­gen haben, den Schad­stoff vor EU-Vorschriften zu Trink­was­ser und Pes­ti­zi­den zu schüt­zen“. Viel­mehr hät­ten die Unter­su­chun­gen gezeigt, dass die EU-Kommission „offen­bar wis­sen­schaft­li­che Defi­ni­tio­nen igno­riert“ und – im Ein­klang mit von der Indus­trie gestütz­ten Behaup­tun­gen – die Risi­ken von TFA her­un­ter­ge­spielt habe. Unter ande­rem, so FtM, sei sei­tens der EU-Kommission ver­sucht wor­den, in Über­ar­bei­tun­gen der euro­päi­schen Trink­was­ser­richt­li­nie die wis­sen­schaft­lich wider­leg­te Behaup­tung der Bran­che ein­zu­bau­en, TFA habe „natür­li­che Quellen“.

Mit Erfolg: Im August ver­gan­ge­nen Jah­res habe die Kom­mis­si­on end­gül­ti­ge tech­ni­sche Fest­le­gun­gen zur Trink­was­ser­richt­li­nie ver­öf­fent­licht, wonach TFA nicht als PFAS betrach­tet wer­den. Meh­re­re Ver­su­che von FtM, die Kom­mis­si­on hier­zu direkt zu befra­gen, sei­en von Brüs­sel igno­riert bezie­hungs­wei­se mit all­ge­mei­nen Flos­keln abge­tan wor­den (Wei­te­re Details in der aus­führ­li­chen FtM-Untersuchung, s. o.).

 

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WATERKANT-Redaktion