Nordenham: Glencore und die Bleibelastung

Ende April die­ses Jah­res hat­ten sich das Land Nie­der­sach­sen und der Land­kreis Weser­marsch mit dem umstrit­te­nen Glencore-Konzern dar­auf ver­stän­digt, dass die­ser als Inves­tor die insol­ven­te Blei­hüt­te Weser-Metall in Nor­den­ham über­nimmt. Nur sind die Land­wir­te der Regi­on – stell­ver­tre­tend auch für wei­te­re Boden­ei­gen­tü­mer – nicht ein­ver­stan­den, wie mit jahr­zehn­te­al­ten Blei­be­las­tun­gen umge­gan­gen wer­den soll. 

Zwar beinhal­tet die Ver­ein­ba­rung zwi­schen Land und Kon­zern diver­se Standortsicherungs-Zusagen: Glen­core habe ein neu­es Unter­neh­men namens Nor­den­ham Metall GmbH gegrün­det und wer­de dort auch künf­tig Metall ver­ar­bei­ten und recy­celn, so das Lan­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um. Des­sen Res­sort­chef Olaf Lies (SPD) sicher­te übri­gens fach­kom­pe­tent zu, sämt­li­che Arbeits­plät­ze in der neu­en GmbH wür­den erhal­ten bleiben (*).

Das ändert aber nichts an dem Ein­druck, dass eine bereits seit Jahr­zehn­ten bekann­te und stän­dig mehr oder weni­ger ver­schlepp­te Belas­tung der Böden mit – vor­sich­tig for­mu­liert – Rück­stän­den aus indus­tri­el­ler Pro­duk­ti­on nun mög­li­cher­wei­se wei­ter ver­schleppt wird. Wie die „Kreis­zei­tung Weser­marsch“ berich­tet, soll Glen­core zwar ver­pflich­tet wor­den sein, „mit den Land­wir­ten neue Ver­ein­ba­run­gen“ aus­zu­han­deln, ohne dass denen im Ver­gleich zu bis­he­ri­gen Rege­lun­gen Nach­tei­le ent­ste­hen. Nach ers­ten Gesprä­chen und nach­fol­gen­den Vor­schlä­gen von Glen­core aber haben die betrof­fe­nen Land­wir­te und wei­te­re Boden­ei­gen­tü­mer nun ihrer Unzu­frie­den­heit Luft gemacht: Sie ver­lan­gen laut Zei­tungs­be­richt „eine Absi­che­rung … für den Fall, dass Böden rekul­ti­viert wer­den müs­sen oder auch die neue Hüt­te irgend­wann ein­mal insol­vent ist und dann wie­der nie­mand für die Alt­las­ten haf­ten kann“.

Glen­core soll sich einer­seits „erstaunt“ gezeigt haben über die For­de­rung der Land­wir­te – und ande­rer­seits betont haben, man kön­ne „recht­lich nicht für Belas­tun­gen aus der Ver­gan­gen­heit her­an­ge­zo­gen wer­den, für die das Unter­neh­men nicht ver­ant­wort­lich ist“. Zur Zeit ist geplant, mit einer ent­spre­chen­den Unter­su­chung die aktu­el­le Belas­tungs­si­tua­ti­on zu ermit­teln „und gegen­über zukünf­ti­gen Umwelt­ein­flüs­sen klar abzu­gren­zen“, zitiert die Zei­tung einen Unter­neh­mens­spre­cher. Für „Schä­den in der Zukunft“ wer­de das neue Unter­neh­men selbst­ver­ständ­lich aufkommen.

Das klingt nicht nach einer schnel­len Hil­fe für die Betrof­fe­nen – schließ­lich steht der in der schweit ansäs­si­ge Rohstoff-Konzern Glen­core seit Jahr­zehn­te in der Kri­tik wegen schwe­rer Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, Miss­ach­tung von Umwelt­stan­dards und Steuermanipulation…

(*) In der vori­gen nie­der­säch­si­schen Koali­ti­on war Lies Wirt­schafts­mi­nis­ter: Böse Zun­gen läs­tern, er wäre es auch in der aktu­el­len Regie­rung ger­ne geblie­ben – fest steht, dass er sich so man­ches Mal äußert, als wäre er’s immer noch…

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WATERKANT-Redaktion